< ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT   Letzte Änderung: 21.10.2000
152 / II  V4  "DM-ZYB"

Die V4 war die zweite für die Flugerprobung vorgesehene Maschine. Sie wurde nach dem Anfang 1958 bestätigten Entwurf gefertigt.
Sie war damit der erste Prototyp der neuen, zweiten Version (152/II).
Die Montage begann Anfang 1959 /50/.
Doch die ersten Schatten legten sich auf die ostdeutsche Luftfahrtindustrie.
Der Verlust der V1 und der frühere Verzicht auf die  V3, brachten einen größeren Stillstand in der Flugerprobung mit sich.
Mit den nächsten Flügen war nicht vor Anfang 1960 zu rechnen.

Roll-Out V4 Bild 1
März 1960
"Hau Ruck !" Die V4, noch ohne Bemalung und noch ohne Triebwerke (?), wird vor die Halle gezogen.
Im Bildhintergrund erkennt man schon weitere Maschinen in der Montage.

V4 auf der SLB Bild 2

V4 auf der SLB Bild 3
März 1960
Foto-"Session". Bild 2 wird vermutlich vom Dach des Schleppfahrzeuges "geschossen". Man bekommt auch einen Eindruck von der mit
80 m Breite sehr großzügig bemessenen Start- und Landebahn.
Einige Bahnneu- oder ausbauten die die sowjetischen Besatzungstruppen vornahmen, hatten auch ähnliche Dimensionen (Finsterwalde, Großenhain, Neubrandenburg).
Auf Bild 3 kann man deutlich den um die Querachse geneigten Rumpf erkennen. Dieses konstruktive Merkmal rührt noch aus der Zeit der V1
und (EF) 150.

Überführung der V4 zur Halle 285 Bild 4
März 1960
Die V4 wird vor die Halle 35 (285) gezogen, 1 1/2 Jahre nachdem die erste "152" hier ankam (vgl. Bild 2 auf der V1-Seite ).
Links stehen zwei IL-14P aus Dresdner Produktion, die vordere schon in den Farben der  rumänischen "TAROM".


Prof.Baade und Mitarbeiter Bild 5
Ab April 1960
ist die V4 mit vier Triebwerken "Pirna 014 A-0" aus dem VEB Entwicklungsbau Pirna (Werk Nr. 802) ausgerüstet.
Im Bild 5 ist rechts unten die Zugvorrichtung zu sehen, mit der gleich das Flugzeug herausgerollt wird.
Einige "Väter" der 152 haben sich zu einer Diskussionsrunde versammelt. Der Herr im weißen Hemd ist Prof.Brunolf Baade, rechts daneben
Obering.Fritz Freytag, Chefkonstrukteur und Technischer Direktor der Flugzeugwerke. Fritz Freytag machte sich später noch einen Namen
bei seiner Mitwirkung an der C-160 "Transall" und bei der Fa. VFW.

Juni 1960
Überführung der V4 von der Halle 222 zur Einflughalle 285, Beginn der Bodenerprobung.
Überführung der V4 zur Halle 285
Bild 6
Schnappschuß eines Planespotters aus dem Jahre 1963: Eine "152" rollt auf einem Flughafen zu ihrer Parkposition...
 - soviel zu einem nicht verwirklichten Traum.
Die Aufnahme zeigt die V4 kurz vor dem Erreichen der Einflughalle.

Bodenerprobung der V4 Bild 7
ab Juni 1960
Beginn der Rolletappe I.

17.August 1960
Beginn der Rolletappe II mit vier Rollversuchen bis 150 km/h./501/
Datum Typ/Kennung Beginn Ende  Zeit Bemerkung
17.08.60 152 DM-ZYB 10:54 11:28 34' Rollversuch
17.08.60 152 DM-ZYB 12:01 12:22 21' Rollversuch
17.08.60 152 DM-ZYB 13:38 13:55 17' Rollversuch
17.08.60 152 DM-ZYB 14:32 14:52 20' Rollversuch

20.August 1960
Zur Vorbereitung des Erstflugs der V4 gehörte auch das Abfliegen des geplanten Programms.
Dazu wurde die IL-28 "DM-ZZK" herangezogen, die sonst für die Flugerprobung der Pirna-014 -Triebwerke genutzt wurde.
Die geplante Strecke, eine große Platzrunde in der erweiterten Flughafenzone, wurde zweimal abgeflogen.
Es wurden Flugzeiten von 21 bzw. 23 Minuten ermittelt./501/
Der Flüge der V4 bestätigten dann diese Zeiten.
Datum Typ/Kennung  Beginn Ende Zeit  Bemerkung
20.08.60 IL-28 DM-ZZK 12:15 12:36 21' große erweiterte Platzrunde
20.08.60 IL-28 DM-ZZK 12:42 13:05 23' große erweiterte Platzrunde



26.August 1960

Erstflug der V4 mit Fahrwerk und Klappen "AUS".
Besatzung: Heinz Lehmann (Pilot)
                     Gerhard Güttel (Copilot)
                      Bernhard Jendrusch (Bordingenieur)
Datum Typ/Kennung Beginn Ende Zeit Bemerkung
26.08.60 152 DM-ZYB


Rollversuch bis 200 km/h
26.08.60 152 DM-ZYB 11:22 11:44 22' große erweiterte Platzrunde



04.September 1960

Zur Erhärtung der Ergebnisse des ersten Fluges wurde ein Wiederholungsflug mit der gleichen Besatzung und
denselben Rahmenbedingungen durchgeführt.
Dieser zweite Flug der V4 wurde von einem weiteren Flugzeug begleitet und gefilmt.
Dazu startete die IL-14 "DM-ZZB" ca. 30 Minuten vor der V4 und drehte über dem Moritzburger Revier Warteschleifen.
Nach dem Start der V4 "hing" sich der Pilot der IL-14 rechts hinten an die Maschine und der letzte Flug einer "152"
wurde so gefilmt. Allerdings ist dieser äußerst interessante Film noch nicht wieder aufgetaucht./501/

04.September 1960,  07:51 Uhr
Die IL-14 startet.

V4 beim Start Bild 8
04.September 1960, 08:17 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" beim Start auf der SLB 22.

V4 im Fluge Bild 9
04.September 1960, 08:18 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" im Flug.

V4 bei der Landung Bild 10
04.September 1960, 08:37 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" bei der Landung auf der SLB 22.

V4 beim Wenden Bild 11
04.September 1960, 08:40 Uhr
Das war der letzte Flug einer "152", doch das ahnte zu dieser Zeit noch niemand.
152/II V4 "DM-ZYB" beim Wenden auf der SLB.

IL14 Bild 12
04.September 1960,  08:52 Uhr
Das Begleitflugzeug IL-14 landet mit dem wertvollen Filmdokument.
Datum Typ/Kennung Beginn Ende Zeit Bemerkung
04.09.60 IL-14 DM-ZZB 07:51 08:52 61' Fotoflug für 152
04.09.60 152 DM-ZYB 08:17 08:37 20' große erweiterte Platzrunde

Weitere Flüge macht die Testcrew vom Ergebnis der Enttankungsversuche,
bei denen man wichtige Hinweise auf den Absturz der V1 vermutet, abhängig.

13.September 1960
Bei der Bodenerprobung der Tankanlage der V4 wird festgestellt, daß bei einer bestimmten Schräglage entsprechend eines Sinkfluges,
die Kraftstoffversorgung zu den Triebwerken aussetzt./205/

16.September 1960
Die Maschine wird von der Einflughalle 285 zur Halle 222 überführt, um mit dem Ausbau und der Überprüfung der Tanks zu beginnen./205/

Oktober 1960
Nach einer Bauzeit von nur 6 Wochen wird ein um alle Achsen hydraulisch schwenkbarer Großprüfstand für die gesamte Kraftstoff-
und Belüftungsanlage in Betrieb genommen./205/
Die V4 wird so verschiedenen Schräglagen ausgesetzt, um die Systeme ausgiebig zu testen.

V4 bei Kraftstoffuntersuchungen Bild 13

01.November 1960
Der V4 wird die Unbedenklichkeitsbescheinigung (Flugzulassung) durch die Hauptverwaltung Zivile Luftfahrt (HVZL) entzogen./62/

Weitere Umbauarbeiten an der V 4 sollen Mängel hauptsächlich an folgenden Baugruppen beseitigen:
- Kraftstoffanlage, besonders das Entnahme- und Belüftungssystem
- der Fahrwerkseinzieh- und -ausfahrmechanismus (das neue Fahrwerksbetätigungssystem gestattete eine Einfahrzeit von nur acht Sekunden)
- das hydraulische und elektrische Bordnetz
- die Triebwerksanlage (Luftkühler, Inhaltsanzeige und Luftsystem)
- die Klimaanlage und die Kabinendruckregelung
Für eine erneute Flugzulassung müssen ebenfalls kleine Änderungen an Zelle, Stielgurten, Landeklappen und Querrudern,
Triebwerksverkleidung und Ruderbeplankung durchgeführt werden./205/

Mittlerweile wird aber bereits auf höchster Ebene über verschiedene Abbruchvarianten der DDR-Luftfahrtindustrie nachgedacht.
Den Ernst der Lage erkennend, wird von der Führungsebene der Flugzeugwerke am

15.Januar 1961
eine neue technische Konzeption entwickelt, mit dem Ziel, daß Prüf- und Musterzulassungsprogramm unter Einbeziehung der V4, V5, -008 und -009 zu straffen./205/

Februar 1961
An der V4 läuft eine weitere Versuchsserie zur Erprobung der Kraftstoffanlage.

April 1961
Laut neuer technischer Konzeption vom Januar 1961sollen die Umbauarbeiten an der V4 abgeschlossen sein,
damit die Flugerprobung fortgesetzt werden kann, und im

Juni 1961
soll die Bodenerprobung beendet und die Flugversuche erneut aufgenommen werden./205/

Die Maßnahmen zur Auflösung der Luftfahrtindustrie greifen aber bereits, so daß es zu keinen Roll- und Flugaktivitäten mehr kommt.

Sommer 1961
Die V4, die zuletzt noch in der Halle 285 stand, wird nach den Entscheidungen zur Auflösung der Luftfahrtindustrie verschrottet.


< ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT      152/II V4    Bilder: Sammlung Jochen Werner / Bild 8-12: DaimlerChrysler Aerospace
1998-2001 by Frank Manke