| 152 / II V4 "DM-ZYB" |
Die V4 war die zweite für die Flugerprobung vorgesehene
Maschine. Sie wurde nach dem Anfang 1958 bestätigten Entwurf gefertigt.
Sie war damit der erste Prototyp der neuen, zweiten Version
(152/II).
Die Montage begann Anfang 1959 /50/.
Doch die ersten Schatten legten sich auf die ostdeutsche Luftfahrtindustrie.
Der Verlust der V1 und der frühere Verzicht auf die
V3, brachten einen größeren Stillstand in der Flugerprobung mit
sich.
Mit den nächsten Flügen war nicht vor Anfang 1960
zu rechnen.
Bild 1
März 1960
"Hau Ruck !" Die V4, noch ohne Bemalung und noch ohne Triebwerke
(?), wird vor die Halle gezogen.
Im Bildhintergrund erkennt man schon weitere Maschinen in
der Montage.
Bild 2
Bild 3
März 1960
Foto-"Session". Bild 2 wird vermutlich vom Dach des Schleppfahrzeuges
"geschossen". Man bekommt auch einen Eindruck von der mit
80 m Breite sehr großzügig bemessenen Start- und
Landebahn.
Einige Bahnneu- oder ausbauten die die sowjetischen Besatzungstruppen
vornahmen, hatten auch ähnliche Dimensionen (Finsterwalde, Großenhain,
Neubrandenburg).
Auf Bild 3 kann man deutlich den um die Querachse geneigten
Rumpf erkennen. Dieses konstruktive Merkmal rührt noch aus der Zeit der
V1
und (EF) 150.
Bild 4
März 1960
Die V4 wird vor die Halle 35 (285) gezogen, 1 1/2 Jahre nachdem
die erste "152" hier ankam (vgl. Bild 2 auf der V1-Seite
).
Links stehen zwei IL-14P aus Dresdner Produktion, die vordere
schon in den Farben der rumänischen "TAROM".
Bild 5
Ab April 1960
ist die V4 mit vier Triebwerken "Pirna 014 A-0" aus dem VEB
Entwicklungsbau Pirna (Werk Nr. 802) ausgerüstet.
Im Bild 5 ist rechts unten die Zugvorrichtung zu sehen, mit
der gleich das Flugzeug herausgerollt wird.
Einige "Väter" der 152 haben sich zu einer Diskussionsrunde
versammelt. Der Herr im weißen Hemd ist Prof.Brunolf Baade, rechts daneben
Obering.Fritz Freytag, Chefkonstrukteur und Technischer Direktor
der Flugzeugwerke. Fritz Freytag machte sich später noch einen Namen
bei seiner Mitwirkung an der C-160 "Transall" und bei der
Fa. VFW.
Juni 1960
Überführung der V4 von der Halle 222 zur Einflughalle
285, Beginn der Bodenerprobung.
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Bild 7
ab Juni 1960
Beginn der Rolletappe I.
17.August 1960
Beginn der Rolletappe II mit vier Rollversuchen bis 150 km/h./501/
| Datum | Typ/Kennung | Beginn | Ende | Zeit | Bemerkung |
| 17.08.60 | 152 DM-ZYB | 10:54 | 11:28 | 34' | Rollversuch |
| 17.08.60 | 152 DM-ZYB | 12:01 | 12:22 | 21' | Rollversuch |
| 17.08.60 | 152 DM-ZYB | 13:38 | 13:55 | 17' | Rollversuch |
| 17.08.60 | 152 DM-ZYB | 14:32 | 14:52 | 20' | Rollversuch |
20.August 1960
Zur Vorbereitung des Erstflugs der V4 gehörte auch das
Abfliegen des geplanten Programms.
Dazu wurde die IL-28 "DM-ZZK" herangezogen, die sonst für
die Flugerprobung der Pirna-014 -Triebwerke genutzt wurde.
Die geplante Strecke, eine große Platzrunde in der
erweiterten Flughafenzone, wurde zweimal abgeflogen.
Es wurden Flugzeiten von 21 bzw. 23 Minuten ermittelt./501/
Der Flüge der V4 bestätigten dann diese Zeiten.
| Datum | Typ/Kennung | Beginn | Ende | Zeit | Bemerkung |
| 20.08.60 | IL-28 DM-ZZK | 12:15 | 12:36 | 21' | große erweiterte Platzrunde |
| 20.08.60 | IL-28 DM-ZZK | 12:42 | 13:05 | 23' | große erweiterte Platzrunde |
Erstflug der V4 mit Fahrwerk und Klappen "AUS".
Besatzung: Heinz Lehmann (Pilot)
Gerhard Güttel (Copilot)
Bernhard Jendrusch (Bordingenieur)
| Datum | Typ/Kennung | Beginn | Ende | Zeit | Bemerkung |
| 26.08.60 | 152 DM-ZYB | Rollversuch bis 200 km/h | |||
| 26.08.60 | 152 DM-ZYB | 11:22 | 11:44 | 22' | große erweiterte Platzrunde |
Zur Erhärtung der Ergebnisse des ersten Fluges wurde
ein Wiederholungsflug mit der gleichen Besatzung und
denselben Rahmenbedingungen durchgeführt.
Dieser zweite Flug der V4 wurde von einem weiteren Flugzeug
begleitet und gefilmt.
Dazu startete die IL-14 "DM-ZZB" ca. 30 Minuten vor der V4
und drehte über dem Moritzburger Revier Warteschleifen.
Nach dem Start der V4 "hing" sich der Pilot der IL-14 rechts
hinten an die Maschine und der letzte Flug einer "152"
wurde so gefilmt. Allerdings ist dieser äußerst
interessante Film noch nicht wieder aufgetaucht./501/
04.September 1960, 07:51
Uhr
Die IL-14 startet.
Bild 8
04.September 1960, 08:17 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" beim Start auf der SLB 22.
Bild 9
04.September 1960, 08:18 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" im Flug.
Bild 10
04.September 1960, 08:37 Uhr
152/II V4 "DM-ZYB" bei der Landung auf der SLB 22.
Bild 11
04.September 1960, 08:40 Uhr
Das war der letzte Flug einer "152", doch das ahnte zu dieser
Zeit noch niemand.
152/II V4 "DM-ZYB" beim Wenden auf der SLB.
Bild 12
04.September 1960, 08:52 Uhr
Das Begleitflugzeug IL-14 landet mit dem wertvollen Filmdokument.
| Datum | Typ/Kennung | Beginn | Ende | Zeit | Bemerkung |
| 04.09.60 | IL-14 DM-ZZB | 07:51 | 08:52 | 61' | Fotoflug für 152 |
| 04.09.60 | 152 DM-ZYB | 08:17 | 08:37 | 20' | große erweiterte Platzrunde |
Weitere Flüge macht die Testcrew vom Ergebnis der
Enttankungsversuche,
bei denen man wichtige Hinweise auf den Absturz der V1 vermutet,
abhängig.
13.September 1960
Bei der Bodenerprobung der Tankanlage der V4 wird festgestellt,
daß bei einer bestimmten Schräglage entsprechend eines Sinkfluges,
die Kraftstoffversorgung zu den Triebwerken aussetzt./205/
16.September 1960
Die Maschine wird von der Einflughalle 285 zur Halle 222
überführt, um mit dem Ausbau und der Überprüfung der
Tanks zu beginnen./205/
Oktober 1960
Nach einer Bauzeit von nur 6 Wochen wird ein um alle Achsen
hydraulisch schwenkbarer Großprüfstand für die gesamte Kraftstoff-
und Belüftungsanlage in Betrieb genommen./205/
Die V4 wird so verschiedenen Schräglagen ausgesetzt,
um die Systeme ausgiebig zu testen.
Bild 13
01.November 1960
Der V4 wird die Unbedenklichkeitsbescheinigung (Flugzulassung)
durch die Hauptverwaltung Zivile Luftfahrt (HVZL) entzogen./62/
Weitere Umbauarbeiten an der V 4 sollen Mängel hauptsächlich
an folgenden Baugruppen beseitigen:
- Kraftstoffanlage, besonders das Entnahme- und Belüftungssystem
- der Fahrwerkseinzieh- und -ausfahrmechanismus (das neue
Fahrwerksbetätigungssystem gestattete eine Einfahrzeit von nur acht
Sekunden)
- das hydraulische und elektrische Bordnetz
- die Triebwerksanlage (Luftkühler, Inhaltsanzeige und
Luftsystem)
- die Klimaanlage und die Kabinendruckregelung
Für eine erneute Flugzulassung müssen ebenfalls
kleine Änderungen an Zelle, Stielgurten, Landeklappen und Querrudern,
Triebwerksverkleidung und Ruderbeplankung durchgeführt
werden./205/
Mittlerweile wird aber bereits auf höchster Ebene
über verschiedene Abbruchvarianten der DDR-Luftfahrtindustrie nachgedacht.
Den Ernst der Lage erkennend, wird von der Führungsebene
der Flugzeugwerke am
15.Januar 1961
eine neue technische Konzeption entwickelt, mit dem Ziel,
daß Prüf- und Musterzulassungsprogramm unter Einbeziehung der V4,
V5, -008 und -009 zu straffen./205/
Februar 1961
An der V4 läuft eine weitere Versuchsserie zur Erprobung
der Kraftstoffanlage.
April 1961
Laut neuer technischer Konzeption vom Januar 1961sollen die
Umbauarbeiten an der V4 abgeschlossen sein,
damit die Flugerprobung fortgesetzt werden kann, und im
Juni 1961
soll die Bodenerprobung beendet und die Flugversuche erneut
aufgenommen werden./205/
Die Maßnahmen zur Auflösung der Luftfahrtindustrie greifen aber bereits, so daß es zu keinen Roll- und Flugaktivitäten mehr kommt.
Sommer 1961
Die V4, die zuletzt noch in der Halle 285 stand, wird nach
den Entscheidungen zur Auflösung der Luftfahrtindustrie verschrottet.