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Update: 08.08.2003
 GRH
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Text: Dirk Peisker

Etwa 30km in NNW-Richtung von Dresden befindet sich der ehemalige Militärflughafen Großenhain, einer der ältesten Flughäfen Deutschlands. Im Jahr 1993 endete hier die 48 jährige Nutzung durch die sowjetischen Fliegerkräfte. Als Beitrag zur regionalen Luftfahrtgeschichte möchte der SKYBIRD Pro Luftfahrt e.V. mit diesem Bildbericht an die letzten Tage dieses Kapitels erinnern.

Historischer Abriss
Mit der Landung einer Mars-Taube A 184-13 begann im Jahre 1914 die militärische Nutzung des Flugplatzes. Während des 1. Weltkrieges bildete die sächsische Flieger-Ersatz-Abteilung 6 in großer Zahl Piloten und Beobachter aus. Durch Inkrafttreten des Versailler Vertrages folgten ab 1920, Jahre ohne militärische Nutzung. Im Herbst 1934 wurde hier die Fernaufklärungsstaffel 1/324 und 1936 die Fernaufklärungsstaffel 2/123 aufgestellt. Die deutsche Luftwaffe wechselte während des 2. Weltkrieges häufig die Belegung des Fliegerhorstes. Anfang 1945 befanden sich die II. Gruppe des Schlachtgeschwaders „Immelmann“ und ein Nachrüstbetrieb für die Arado Ar 234B in Großenhain. Im April 1945 erfolgte die Besetzung durch die Rote Armee.

Nutzung durch die sowjetischen Fliegerkräfte
Das bestehende Flugplatzgelände mit seiner Infrastruktur wurde nach der Besetzung komplett übernommen. Dazu gehörten auch sieben Flugzeughallen und eine Werft, davon war eine Halle zum Kriegsende zerstört. In Großenhain gab es bereits ein befestigtes Start- und Landebahnsystem mit 1375 x 80 m in Ost-West Richtung und 800 x 80 m in Nord-Süd Richtung. Viele Gebäude und Flugzeughallen der Wehrmacht wurden bis zum Abzug der sowjetischen Truppen weitergenutzt. Der Fliegerhorst entwickelte sich zu einer sowjetischen Garnisonsstadt. In den 50er und 60er Jahren folgte die schrittweise Verlängerung der Start- und Landebahn auf 2375 x 48m (Kernbereich) in Richtung 12/30. Ebenso wurden zwischen 1968 und 1971 40 Bogendeckungen GDF-2A/13 (inoffizielle Bezeichnung) errichtet. Eine dringend notwendige Rekonstruktion der Flugbetriebsflächen erfolgte um 1983/84. Dafür war das Autobahnkombinat Weimar zuständig. Die SLB ist in Anflugrichtung 115 durch die B101 und in Hauptanflugrichtung 295 durch die Bahnlinie Dresden-Cottbus begrenzt. Für den dicht über die Bahnlinie gehenden Anflug wurde bei der Streckenelektrifizierung ein Schwungfahrt-Abschnitt ohne Oberleitung angelegt. Der zuletzt für den Flugplatz Großenhain genutzte Deckname war „Ararat“.

 
47
Foto: D.Peisker, 19.5.97
db
Foto: D.Peisker, 16.6.92
01
Foto: A.Golz, 16.8.92
MiG-17F, 47 rot
aufgestellt in Großenhain, nach Restaurierung
wieder im guten Zustand
MiG-23UB
im Endanflug auf Piste 30 über Bahnlinie
Su-7B, 01 rot
ehemals aufgestellt in Großenhain,
seit 1992 in Beelitz


Am 02.Mai 1945 landete Kommandeur Gardeoberst Pokryschkin mit der 9.GwIAD (Garde-Jagdfliegerdivision) u.a. mit IL-2, IL-10, Jak-9 in Großenhain. Seit den frühen 50er Jahren war in Großenhain ein Jagdfliegerregiment (IAP) mit MiG-15 stationiert. Dieses Regiment verlegte wahrscheinlich 1956 im Rahmen einer Truppenreduzierung in die Sowjetunion. Kurz darauf verlegte ein Fliegerregiment der Jagdbomber (APIB) aus Falkenberg mit MiG-17 hierher, bis es anschließend nach Altenburg weiterverlegt wurde. Hierbei könne es sich um das 296.APIB gehandelt haben, welches mindestens seit 1957 in Altenburg stationiert war. In Großenhain dislozierte man das 497.APIB.  Anfangs verfügte es über MiG-17F und ab 1964 kam die Su-7B/BM dazu. Der Flugzeugpark des Regiments bestand 1965 aus 40 MiG-17/MiG-15UTI, 4 Jak-12 und bereits 12 Su-7, die in den Folgejahren die MiG-17 ersetzten. Die sogenannte Stabs-Kette der Fliegerdivision besaß bis ca. 1970 noch 4 MiG-17. Später erhielten die Verbindungsflieger der Division je eine An-2 und An-14A. Die Su-7 wurden durch die Einführung der modernen Su-17 (Su-17M2) Jagdbomber beim 497.ABIP ersetzt. Sie prägten nun bis 1984 das Fluggeschehen in Großenhain. Aber auch 2 MiG-15UTI dienten noch lange Zeit als sogenannte Wetterflugzeuge. Von Ende 1983 bis 1984 verlegten die Su-17 vermutlich für einige Monate nach Finsterwalde. In dieser Zeit wurden die Flugbetriebsflächen instandgesetzt. Danach kehrten die Su-17 für kurze Zeit zurück. Noch 1984 erfolgte die Umrüstung dieses Regiments auf das weitreichende Angriffssystem Su-24M. Es trug nun die Bezeichnung 497.FBAP (Frontbombenfliegerregiment). Ebenfalls wurde das seit 1968 in Brand stationierte 116.GwAPIB (Garde APIB) mit der Su-24M (35 Stück) ausgerüstet und in 116.GwFBAP umbenannt. Beide Regimenter sollen von nun an zur 218.BAD (Bombenfliegerdivision) gehört haben. Mit der Stationierung der Su-24M auf dem Gebiet der DDR wollte man einem vergrößerten Angriffspotential der NATO begegnen. In diesen Jahren befürchtete man in der Sowjetunion ernsthaft einen (atomaren) Angriff seitens der NATO, was das gegenseitige Wettrüsten vorantrieb. Die sowjetischen Frontfliegerkräfte waren nun in der Lage vom Territorium der DDR, im Tiefflugbereich unter 200 m die gegnerische Luftverteidigung zu durchdringen und Ziele auf in der gesamten BRD zu bekämpfen. Wenn nötig auch mit Nuklearwaffen. Im Rahmen von einseitigen Abrüstungsmaßen, die M. Gorbatschow 1988 auf der UNO-Vollversammlung in Wien ankündigte, wurden die Su-24M im Sommer 1989 in die Belorussische Sozialistische Sowjetrepublik (heute Weißrussland) zurückverlegt. Das 497.FBAP verlegte von Großenhain nach Lida und das 116.GwFBAP von Brand nach Ross. Zu Propagandazwecken wurde darüber in der DDR-Presse umfangreich berichtet. Man verschwieg jedoch die Neubelegung dieser Flugplätze mit ebenso modernen Kampfflugzeugen. Die Begründung für die Neubelegung lautete " eine geringere Reichweite und Waffenzuladung als die Su-24, stellt eine geringere Bedrohung der NATO dar". Sicher zwangen auch die enormen Kosten für den gesamten Unterhalt der sowjetischen Streitkräfte und die schlechte wirtschaftliche Lage der Sowjetunion zu diesem Entschluß.  geringerer Reichweite und Waffenzuladung. Somit verlegte das 296.ABIP, welches seit ca. 1985 mit MiG-27D & MiG-23UB Jagdbombern ausgerüstet war, im Juli 1989 von Altenburg nach Großenhain. Dagegen stationierte man in Altenburg das aus Ross (Belorussische SSR) kommende 986.IAP (Jagdfliegerregiment) mit seinen MiG-29A/S/UB & MiG-23UB. In Brand flog von nun an das 911.APIB mit MiG-27K & MiG-23UB. Außerdem existierten bis 1991/92 drei weitere Su-24 Regimenter nahe der deutschen Grenze, im südwestlichen Teil von Polen.
Übliche Flugdiensttage in Großenhain waren Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Die Anwohner von Großenhain und Folbern werden den permaneneten Flugbetrieb sicher noch „gut“ in Erinnerung haben. Um 1990 bestand der Regiments-Flugzeugpark aus 32 MiG-27, 8 MiG-23UB sowie 1 An-2 und 1 Mi-9 der Fliegerdivision. Im Sommer 1992 umfaßte der Personalbestand des 296.APIB 463 Offiziere und Soldaten. Am 22. März 1993 erfolgte die Rückführung von 28 MiG-27 und 8 MiG-23UB des 296.ABIP nach Tschebenki bei Orenburg/RUS in ein Depot. Die Flugzeuge dürften dort im Rahmen internationaler Abrüstungsabkommen verschrottet worden sein. Noch 1993 wurde dieses Regiment als 296.BAP (Bombenfliegerregiment) mit Su-24 ausgerüstet und in Marinowka/RUS stationiert. Im Sommer 1998 hat man dieses Bombenfliegerregiment allerdings aufgelöst.

Weiterhin war Großenhain Standort der 105.ADIB, einer Fliegerdivision der Jagdbomber. Sie soll 1950 formiert worden sein und verlegte wahrscheinlich 1951 in die DDR. Der Division waren die Regimenter auf den Flugplätzen Großenhain (497.APIB), Finsterwalde (559.APIB) sowie anfangs Altes Lager (116.GwIAP) und später Brand (116.GwAPIB & 911.APIB) unterstellt. Die 105.ADIB beendete am 10.August 1993 ihre Aktivitäten auf deutschem Boden und wurde nach Woronesh zurückgeführt. Sie trägt nun die Bezeichnung 105.SAD (Gemischte Fliegerdivision). Ihr sind jetzt vier Regimenter mit Su-24, Su-25 und MiG-25R im Raum Woronesh unterstellt..
Für die sowjetischen Truppen im Südosten der DDR hatte Großenhain eine zentrale Lage. Seit 1973 wurde der Flughafen daher regelmäßig im Frühjahr und Herbst, für die Dauer von 3-4 Wochen, auch mit Flugzeugen verschiedener Aeroflot-Divisionen IL-18, IL-62, Tu-134, Tu-154 und anfangs noch mit Tu-114 zum Austausch von Personal angeflogen. Ein Teil des Aeroflot Flugzeugparks diente den sowjetischen Streitkräften als Transportreserve. Sie unterstützten die militärischen Transportregimenter, welche dafür anfangs An-12 und später hauptsächlich IL-76M/MD einsetzten. Die letzten Flüge im Rahmen des Truppenaustausches fanden in Großenhain im November/Dezember 1992 vorrangig mit IL-76 statt.

Die deutsche Bevölkerung hatte am Wochenende des 15./16. August 1992, anlässlich des „Tages der Luftstreitkräfte“, das erste mal die Gelegenheit den Flugplatz zu besichtigen. An Luftfahrzeugen waren anwesend: IL-76, An-22, An-26, An-2, Su-17, Su-24, Su-25, MiG-23UB, MiG-27, MiG-29, Mi-6, Mi-8 und Mi-24.

 
06
Foto: D.Peisker, 16.6.92
CCCP-86032
Foto: D.Peisker, 30.5.92
17
Foto: D.Peisker 16.6.92
MiG-27D, 06 rot
mit 3-Ton Sichtschutz,
auf dem Weg zur Startbahn

IL-76M, CCCP-86032 (Baujahr 1979)
während eines Truppenaustauschs (128. WTAP Panevezys/Litauen, später Orenburg-1), seit 1999/2000 nicht mehr im Einsatz
MiG-27D, 17 rot
 mit 4-Ton Sichtschutz,
in Warteposition für Startfreigabe
 zum Trainingsflug


Zuletzt stationierte Flugzeugmuster
Der beim 296.ABIP in Großenhain eingesetzte Flugzeugtyp MiG-27 ist ein Jagdbomber mit variabler Flügelgeometrie. Die MiG-27 ist aus der MiG-23B hervorgegangen, die ihren Erstflug am 20. August 1970 hatte. Der MiG-27 Erstflug fand am 17. November 1972 statt. In den Jahren 1973-1986 wurden 910 Serienexemplare in den Werken Moskau, Irkutsk und Ulan-Ude produziert. Die MiG-27 hatte im Gegensatz zur MiG-23B/BN/BM einen veränderten Lufteinlauf. Als Bordkanone diente die neuartige 6-läufige GSch-6 mit 30mm Kaliber. Von der MiG-27 existieren verschiedene Varianten, wobei eine eindeutige Bezeichnung und Zuordnung nach wie vor nicht möglich ist. Die in Großenhain stationierte Variante wird als MiG-27D bzw. M angegeben. Sie waren auch in Altenburg und Lärz stationiert. Eine weitere Variante, die weitaus modernere MiG-27K bzw. KR ist mit TV/Laser Zielmarkierer ausgerüstet. Deren Stationierungsorte in Deutschland waren Brand und Finsterwalde. Die MiG-27 kann unter anderem mit bis zu 4 Tonnen nachfolgender Waffensysteme bestückt werden:
- Ungelenkte Luft-Luft/Luft-Boden-Raketen S-5 im UB-32, S-8 im B-8, S-13 im B-13 und S-24 am APU-68/1 Träger
- Luft-Luft-Lenkraketen R-3S, R-13M (IR gelenkt) und R-60M (halbaktive Funkmesszielsuchlenkung)
- Luft-Boden-Lenkraketen Ch-23, Ch-25, Ch-29, Ch-31 mit verschiedenen Lenkverfahren
- Sprengbomben FAB-50, FAB-100, FAB-250, FAB-500 (kg), so z.B. Bewaffnung mit bis zu 22 FAB-100 möglich
- Lenkbombe KAB-500L (Lasergelenkt) und KAB-500Kr (TV-gelenkt) nur für MiG-27K
- Streubehälter KMGU, RBK-250-275, RBK-250PT, RBK-500Bet (gegen SLB’s), RBK-500PT (gegen Panzer)
- Übungsbombe P-50Sch
Zur Erhöhung der Reichweite kann die MiG-27 maximal drei 800 Liter Zusatztanks mitführen. Um 1990 flogen in der auf dem Gebiet der ehem. DDR stationierten 16. Luftarmee ca. 126 Flugzeuge dieses Typs in 4 Regimentern.
Für die Pilotenschulung dienten in jedem MiG-27 Regiment jeweils 6-10 MiG-23UB als zweisitziges Übungsjagdflugzeug. Die MiG-23UB hatte ihren Erstflug am 11.Mai 1969. Von 1969-1985 wurden im Flugzeugwerk Nr. 39 in Irkutsk 1008 Exemplare dieses Typs gebaut.


33
Foto: D.Peisker 22.3.93
46
Foto: D.Peisker 22.3.93
62
Foto: D.Peisker 22.3.93
MiG-27D, 33 rot
während des Truppenabzuges
MiG-27K, 46 blau
stationiert in Finsterwalde
MiG-23UB, 62 rot
zweisitziges Übungsjagdflugzeug



Auflistung der Flugzeuge, die ab 1990 bis zu ihrer Rückführung in Großenhain stationiert waren
MiG-27D
01, 02, 03, 04, 05, 06, 07***, 08*, 09, 10, 11, 12, 14, 15, 16, 17, 18, 19

20***, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30***, 32, 33
All diese MiG-27 stammen aus dem Flugzeugwerk Nr. 99 in Ulan-Ude
MiG-23UB
60, 61, 62, 63, 64, 66, 67**, 68*, 69
* Einsatz von 1991-1993;   ** Havarie am 31.01.91 bei Schöbendorf (Baruth);   *** nicht bei Rückführung im März 1993
Bei allen Flugzeugen hatten die Bordnummern rote Farbkodierungen mit weißer Umrandung.
An-2
03 rot, Verbindungsflieger des 105.ADIB bis Dezember 1992, Überführung nach

Dessau und seit 19.03.1993 im Technischen Museum Oberschleißheim
Mi-9
01 rot, Verbindungsflieger des 105.ADIB, fliegender Kommandostand

10
Foto: M.Sennewald 16.8.92
03
Foto: M.Sennewald 16.8.92
16
Foto: M. Sennewald  20.7.93
Su-24MR, 10 weiß
vom 11. ORAP (Selbständiges Aufklärungsfliegerregiment) aus Neu-Welzow,
am "Tag der Luftstreitkräfte" zu Besuch in Großenhain
An-2, 03 rot
 Verbindungsflieger des 105. ADIB
An-26, 16 rot (ex 16 gelb), c/n 1908
vom 226. OSAP (Selbständiges-Gemischtes Fliegerregiment) Sperenberg,
beim Verladen von Gebrauchsgütern...  



Der Truppenabzug
Am Vormittag des 22. März 1993 erfolgte die Rückführung des 559.APIB von Finsterwalde nach Morosowsk/RUS und des 296.APIB von Großenhain nach Orenburg/RUS. Die 72 Flugzeuge der beiden Regimenter mussten gemäß Zeitplan innerhalb von 4 Stunden abgezogen werden. In Finsterwalde und Großenhain standen jeweils 28 MiG-27 und 8 MiG-23UB zum Abflug bereit. Dies war nicht nur für die Russen eine logistische Herausforderung.
Während die meisten Fotografen sich für einen Flugplatz entschieden, war es für mich das Ziel möglichst an beiden Plätzen den Truppenabzug zu fotografieren. Da ich damals noch keinen eigenen fahrbaren Untersatz besaß, charterte ich meinen Bekannten mit seiner „Rennpappe“ als Chauffeur. Schon vor 6 Uhr standen wir in einer Autoschlange mit Kollegen u.a. aus Holland, Belgien und Frankreich am Tor des Flugplatzes Finsterwalde. Uns wurde Einlass gewährt und man konnte während der Flugvorbereitung auf der gesamten Vorstartlinie alle Flugzeuge fotografieren. Mit dem Start der ersten MiG um Punkt 8 Uhr, verließen wir das Objekt in rasanter Fahrt Richtung Großenhain/Folbern. Dort warteten weitere Luftfahrtbegeisterte am Taxiway nahe der Bahnlinie. Man hörte hier sogar die im Abstand von einigen Minuten gestarteten MiG’s aus Finsterwalde! Jetzt konnten wir die abziehenden Maschinen am TKP (Technischer Kontrollpunkt) und beim rollen zur SLB aufnehmen. Die Starts erfolgten ab ca. 10 Uhr paarweise mit anschließender 180 Grad-Kurve. Dabei wurde der Flugplatz noch einmal in großer Höhe ostwärts überflogen. Alle Flugzeuge waren mit drei 800 Liter Zusatztanks bestückt, da ein Tankstop auf polnischem Territorium nicht vorgesehen war. Zum Zeitpunkt der Rückführungsmaßnahmen mussten alle Maschinen einsatzfähig sein. Ein Klarstand von dem man in der heutigen Bundeswehr nur träumen kann...


Truppenabzug aus Finsterwalde

30
Foto: D.Peisker 22.3.93
50
Foto: D.Peisker 22.3.93
94
Foto: D.Peisker 22.3.93
MiG-27K, 30 blau
auf der Vorstartlinie
MiG-27K, 50 blau
während der Flugvorbereitung
MiG-23UB, 94 blau
die erste MiG rollt zum Start

 
Truppenabzug aus Großenhain


19
Foto: D.Peisker 22.3.93
25
Foto: D.Peisker 22.3.93
69
Foto: D.Peisker, 22.3.93
MiG-27D, 19 rot
mit Emblem "Flugzeug der ausgezeichneten Qualität"
MiG-27D, 25 rot
deutlich zu erkennen...
MiG-23UB, 69 rot
...sind die 800 Liter Zusatztanks


Sommer 1993
Nach Rückführung der Flugzeugtechnik kehrte auf dem Flugfeld noch keine Ruhe ein. Von nun an wurden verstärkt Transportflüge mit IL-76M/MD und An-22 zum ausfliegen restlicher militärischer und anderweitiger Technik durchgeführt. Wesentlich seltener waren Flüge mit militärischen An-12 und An-26. Die Flugzeuge standen immer einige Tage, vereinzelt auch eine Woche in Großenhain. Mit viel Glück konnte man bis zu drei An-22 auf dem Flugfeld antreffen! Ein hohes Flugaufkommen war ab dem 01. Juni bis Mitte August’93 zu verzeichnen. Von den ca. 60 Transportflügen entfielen etwa zwei Drittel auf die IL-76 und die restlichen auf die An-22. Die meisten An-22 Flüge fanden im Juli statt. Dabei handelte es sich ausschließlich um Flugzeuge der militärischen Transportfliegerregimenter (WTAP) in voller Aeroflot Bemalung. Die IL-76 können zur damaligen Zeit den WTAP's in Nowgorod-Kretschewizy, Twer-Migalowo, Taganrog-Gagrans, Pskow, Orenburg und Panevezys (Litauen) zugeordnet werden. Die An-22 gehörten dem 8.WTAP in Twer-Migalowo und dem 81.WTAP in Iwanowo-Sewerni an. Nachfolgend die Registrationen der jeweiligen IL-76 und An-22, die in dieser Zeit nach Großenhain flogen:
IL-76MD
CCCP-76572, -76669, -76722, -76740, -76761, -76764, -76770

CCCP-78766, -78768, -78778, -78809, -78817, -78834, -78838, -78846

RA-76720, -78833, -78840, -78844
IL-76M
RA-86035, CCCP-86837
An-22
RA-08834, -08836, -09305, -09306, -09312, -09319, -09322, -09324, -09333, -09346, -09348

10
Foto: D.Peisker 01.7.93
RA-09319  
Foto: D.Peisker 19.7.93
CCCP-78846
Foto: D.Peisker 15.8.93
An-12BP, 10 blau, c/n 1340208
vom  535. OSAP aus Rostow am Don, die Familienangehörigen flogen auch mit nach Deutschland
An-22, RA-09319
vom 81. WTAP aus Iwanowo-Sewerni,
derzeit abgestellt in Twer, Erstflug 20.11.72
Il-76MD, CCCP-78846 (Baujahr 1990)
vom 110. WTAP aus Nowgorod-Kretschewizy,
jetzt als RA-78846 bei der "224. Flight Unit"



Somit lohnte es sich immer wieder mal bei schönem Wetter nach Großenhain zu fahren. Das fotografieren auf dem Flugplatz war nahezu problemlos möglich und Kontakte zu den Besatzungen blieben nicht aus. Oft konnte man auch in die Flugzeuge hinein. Einen reinen militärischen Charakter hatten diese Flüge kaum. Transportiert wurde alles, was nicht „Niet- und Nagelfest“ war. Einmal öffnete uns ein Techniker die Tür zur IL-76. Uns stockte der Atem, wir sahen im Flugzeug einen Berg voller "Schrott"! Da lag, vom alten Ofenrohr über ausrangierte Kühlschränke, Gasherde, Fahrräder, Fahrzeugteile, Reifen etc., alles kreuz und quer bis zur Decke im Frachtraum. Was wir achtlos als "Schrott" bezeichnen, stellte für die Russen jedoch wertvolles Gut dar! Beliebt waren auch die ziehharmonikaartigen Bürocontainer, die passten gut in eine An-22. Natürlich dienten die Flüge auch zum mehr oder weniger illegalen Autotransport. Schließlich konnte ein PKW direkt von der Bundesstraße auf das Vorfeld fahren. Vom Trabbi aufwärts war alles dabei..., doch meistens ältere Fahrzeuge. An einer An-12 (10 blau) saßen die Besatzung und die mitreisenden Familienangehörigen vorm Flieger. Das Flugzeug gehörte zu einem Transportfliegerregiment aus Rostow am Don und natürlich war es für sie sehr ungewöhnlich das man ihren Flieger auf Film bannt. Nun war es besser den Flugplatz zu verlassen.
Einmal sorgte die abfliegende An-22 RA-09348 für Furore. Das Flugzeug rollte in Schlängellinien(!) zum Anfang der SLB und beim Start hob sich erst ca. 250 m vorm Bahnende langsam das Bugfahrwerk! Die Schaulustigen am Bahnende blieben vor Schreck wie gelähmt stehen und die Antonow donnerte nur wenige Meter über deren Köpfe hinweg. Später stellte sich heraus, dass die Besatzung sturzbetrunken und eine ordnungsgemäße Funkkommunikation kaum möglich war. Das Flugzeug sollte daraufhin über Weißrussland abgefangen und zur Landung gezwungen werden.
Die letzte IL-76 landete am 17. August in Großenhain. Nach dem kompletten Abzug des Militärs, stand das Flughafengelände einer zivilen Nutzung zur Verfügung. Heute befinden sich auf dem Flughafen ein Aeroclub, Flugschulen für Privatpiloten und das Luftfahrtunternehmen Kilianair. Viele der Gebäude und Bunkeranlagen wurden in den letzten Jahren abgerissen. Die MiG’s sind längst Vergangenheit...

An-22 in Großenhain...
Foto: D.Peisker 17.7.93
RA-09306
Foto: D.Peisker 12.8.93
RA-09346
Foto: D.Peisker 22.5.93
An-22, RA-09333
vom 81.WTAP aus Iwanowo, verschrottet 1997
Erstflug 31.5.72
An-22, RA-09306
vom 81. WTAP aus Iwanowo, verschrottet im
Oktober 1999, Erstflug 17.1.70
An-22, RA-09346
vom 81. WTAP aus Iwanowo, verschrottet im Frühjahr 1999, Erstflug 15.11.70
RA-09305
Foto: A.Kraut 07/93
RA-09319
Foto: D.Peisker 07/93
RA-09319
Foto: D.Peisker 07/93
An-22A, RA-09305
jetzt abgestellt in Twer, Erstflug 28.2.74
An-22, RA-09319
"final turn for take-off"
An-22, RA-09319
"touch down"
An-22
Foto: D.Peisker 07/93
An-22
Foto: D.Peisker 07/93
Foto: M.Sennewald 07/93
An-22, RA-09319
auf der SLB
kurz vor dem Abflug
An-22A, RA-09348
An-22 line-up
An-22
Foto: D.Peisker 13.7.93
An-22
Foto: D.Peisker 13.7.93
An-22
Foto: D.Peisker 13.7.93
An-22A, RA-09348, Erstflug 31.3.75
Diese An-22 ist seit 1994 in Iwanowo abgestellt
Abendstimmung...
...im Sonnenuntergang

... und IL-76
CCCP-76722
Foto: D.Peisker 09.7.93
CCCP-78837
Foto: D.Peisker 01.7.93
RA-78844
Foto: D.Peisker 01.7.93
IL-76MD, CCCP-76722 (Baujahr 1987)
vom 708. OWTAP (Selbständiges WTAP) aus Taganrog-Gagrans,
das Flugzeug ist mit Scheinzielwerfern  ausgerüstet
IL-76M, CCCP-86837 (Baujahr 1980)
vom 128. WTAP aus Orenburg-1 (ex Panevezys/Litauen),
mittlerweile nicht mehr im Einsatz
IL-76MD, RA-78844 (Baujahr 1990)
vom 117. WTAP aus Orenburg-2,
jetzt beim 196.WTAP in Twer-Migalowo und auch für die "224.Flight Unit" im Dienst
Seite
Foto: D.Peisker 09.7.93
IL-76
Foto: D.Peisker 13.7.93
Heck
Foto: D.Peisker 09.7.93
Diese Scheinzielwerfer dienten zum Schutz vor Raketenbeschuß und kamen z.B. bei Flügen in Afghanistan zum Einsatz 
Abendstimmung
Die taktischen Transportflugzeuge sind mit einem Heckstand und zwei doppelläufigen Kanonen GSch-23-2 ausgerüstet (IL-76M/MD)


Die Thematik der sowjetischen Fliegerkräfte in Deutschland ist nach wie vor nicht vollständig erfasst. Trotz gründlicher Aufarbeitung kann keine Garantie auf die hundertprozentige Richtigkeit dieses Inhalts gegeben werden. Wenn Sie dazu wertvolle Hinweise und Ergänzungen machen können, so helfen sie bitte mit, diese Lücken zu schliessen und nehmen sie mit uns Kontakt auf.

E-mail: dp.private@web.de

Einige offene und allgemeine Fragen sind zum Beispiel:
Wie viele Su-24 bzw. Flugzeuge anderer Typen waren in Großenhain stationiert?

Sind Flugzeugtypen in Großenhain stationiert gewesen, die im Text nicht erwähnt werden?

Können Sie Angaben zu besonderen Vorkommnissen (Flugzeugabstürze, etc.) machen?
Können Sie über besondere Erlebnisse und Beobachtungen berichten?


Quellen:
Freundt, Lutz: „Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945-1994“, Bände 1-4, 1.Auflage, Edition Freundt Eigenverlag, Diepholz 1998-2000
Hillmann, P.; Jessup, S.; Ottenhof, G.: "Soviet Transports", The Aviation Hobby Shop, West Drayton, England, Juni 2000
Spur, Franz; Krüger, Jens: „Geschichte Flugplatz Großenhain“, Stadtverwaltung Großenhain, 2. überarbeitete Auflage 2001
Scramble, Dutch Aviation Society, Nummer 260, Niederlande 2001 und Nummer 286, Niederlande 2003
Büttner, Stefan: Informationen, speziell zum Su-24 Einsatz in der DDR
Tornow, Frank: Inbound-Daten der IL-76 und An-22 Flüge
Frenzel, Siegmar; Grüner, Andreas: Informationen, speziell zur Historie der Regimenter
Joch, Joachim: Informationen, speziell zum Fluggeschehen in Großenhain
Sennewald, Mirko; Kraut, Andre; Golz, Alexander: Eigene Aufnahmen, Sammlung Dirk Peisker
Losch, Reinhart: Eigene Informationen und Erlebnisse
Peisker, Dirk: Eigene Aufnahmen, Erlebnisse und Informationen, Sammlung Dirk Peisker


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